← Home · Seismik

Bodenverflüssigungsanalyse in Gelsenkirchen: Risikobewertung nach DIN EN 1998-5

Gemeinsam lösen wir die Herausforderungen von morgen.

MEHR ERFAHREN →

In Gelsenkirchen wird die Gefahr der Bodenverflüssigung bei Erdbeben häufig unterschätzt. Bauherren und Planer konzentrieren sich auf die bergbaubedingten Setzungen und die schwierigen Emschermergel-Böden, übersehen aber, dass die quartären Sande und Auffüllungen im Stadtgebiet bei dynamischer Belastung ihre Tragfähigkeit nahezu vollständig verlieren können. Die Konsequenz: ein plötzlicher Scherfestigkeitsverlust, der selbst tief gegründete Bauwerke gefährdet. Eine belastbare Bodenverflüssigungsanalyse nach DIN EN 1998-5 ist daher keine akademische Übung, sondern eine versicherungs- und haftungsrelevante Pflicht. Gerade in den nördlichen Stadtteilen entlang der Emscher und im Bereich der ehemaligen Zechenstandorte treffen hohe Grundwasserstände auf locker gelagerte Sande – eine Kombination, die im Erdbebenfall fatale Folgen haben kann. Unser Team führt die erforderlichen Sondierungen durch und ergänzt die Felddaten bei Bedarf mit einem CPT-Versuch für ein kontinuierliches Profil des Spitzendrucks oder mit einer Korngrößenanalyse zur genauen Klassifizierung der verflüssigungsanfälligen Schichten.

Nicht der Boden an sich versagt, sondern der Porenwasserüberdruck, der die Korn-zu-Korn-Spannung innerhalb weniger Sekunden auf null reduziert.

Vorgehen und Leistungsumfang

Die industrielle Vergangenheit Gelsenkirchens hat die geotechnischen Untergrundverhältnisse tiefgreifend geprägt. Über Jahrzehnte wurden Kippen, Auffüllungen und Absinkweiher verfüllt, sodass wir es heute mit einem anthropogen stark veränderten Baugrund zu tun haben. Die Bodenverflüssigungsanalyse muss diese Heterogenität präzise abbilden: Wir unterscheiden zwischen natürlich gewachsenen Terrassensanden, aufgefüllten Kiesen und den bindigen Zwischenschichten des Emschermergels. Kern der Untersuchung ist die Ermittlung des zyklischen Spannungsverhältnisses (CSR) und des zyklischen Widerstandsverhältnisses (CRR) nach dem vereinfachten Verfahren von Seed & Idriss. Die SPT-basierte Auswertung nach NCEER-Standard wird durch die Analyse der Korngrößenverteilung und der Plastizität ergänzt. In der Praxis zeigt sich, dass besonders die Bereiche um den Rhein-Herne-Kanal und die renaturierten Emscher-Auen ein erhöhtes Verflüssigungspotenzial aufweisen. Für eine umfassende dynamische Charakterisierung des Untergrunds kombinieren wir die Analyse mit MASW-Messungen, um die Scherwellengeschwindigkeit der oberflächennahen Schichten zu bestimmen und daraus die maximalen Bodenbeschleunigungen abzuleiten.
Bodenverflüssigungsanalyse in Gelsenkirchen: Risikobewertung nach DIN EN 1998-5
Technisches Referenzbild — Gelsenkirchen

Lokaler geotechnischer Kontext

Die Sondierung beginnt mit einem ferngesteuerten Raupengerät, das mit einem automatischen Fallgewicht für SPT-Sondierungen ausgestattet ist. In Gelsenkirchen setzen wir bevorzugt ein schwingungsarmes Hybridgerät ein, das sowohl Rammsondierungen nach DIN EN ISO 22476-2 als auch CPT-Sondierungen nach DIN EN ISO 22476-1 durchführen kann. Der entscheidende Moment ist die Entnahme der gestörten Bodenproben aus dem Gestängeschuh: Ein unsachgemäßer Transport oder eine Austrocknung der Probe verfälscht die Kornverteilung und damit die gesamte Verflüssigungsbewertung. Wir analysieren die Proben im akkreditierten Labor nach DIN 18123 für die Korngrößenverteilung und bestimmen die Lagerungsdichte über den Spitzenwiderstand des CPT. Der kritischste Parameter ist der Feinkornanteil: Sande mit weniger als 15 % Feinkorn und einem SPT-Schlagzahl N1,60 unter 15 gelten als hochgradig verflüssigungsgefährdet. Diese Bedingungen finden wir in Gelsenkirchen vor allem in den quartären Flusssanden der Emscher-Niederung.

Benötigen Sie eine geotechnische Bewertung?

Antwort innerhalb von 24h.

E-Mail: kontakt@geotechnik.biz

Technische Daten

ParameterTypischer Wert
BewertungsverfahrenVereinfachtes Verfahren nach Seed & Idriss, NCEER 1997/2001
Korrekturfaktoren SPTCN, CE, CB, CR, CS nach Youd et al. 2001
Referenzbeschleunigung GelsenkirchenagR ≈ 0,4 m/s² (DIN EN 1998-1/NA, Zone 1)
Magnitude Scaling Factor (MSF)Abgeleitet aus regionaler seismotektonischer Analyse
Sicherheitsfaktor gegen VerflüssigungFSL ≥ 1,25 für übliche Hochbauten
Setzungsabschätzung nach VerflüssigungTokimatsu & Seed (1987), Ishihara & Yoshimine (1992)
Verflüssigungsindex (LPI)Iwasaki et al. (1982), integriert über Tiefe 0–20 m

Ergänzende Leistungen

01

Dynamische Baugrunderkundung und Laboranalyse

Durchführung von SPT- und CPT-Sondierungen zur Ermittlung des Verflüssigungswiderstands. Laborversuche nach DIN 18123 und DIN 18126 zur Bestimmung von Korngrößenverteilung, Ungleichförmigkeitszahl und Feinkornanteil. Die Probenahme erfolgt mit einem hydraulischen Entnahmegerät, das die natürliche Lagerungsdichte weitgehend erhält.

02

Numerische Verflüssigungsbewertung und Setzungsprognose

Berechnung des Sicherheitsfaktors gegen Verflüssigung für jede maßgebende Schicht in Gelsenkirchen. Erstellung eines Verflüssigungsindex (LPI)-Profils zur Klassifizierung des Gesamtrisikos. Setzungsabschätzung nach Tokimatsu & Seed sowie volumetrische Verformungsanalyse nach Ishihara. Dokumentation in einem prüffähigen Geotechnischen Bericht nach DIN 4020.

Referenznormen

DIN EN 1998-5:2010-12 (Eurocode 8, Gründungen, Stützbauwerke), DIN EN 1998-1/NA:2011-01 (Nationaler Anhang, seismische Einwirkungen), DIN EN ISO 22476-3:2012 (Rammsondierungen, SPT), DIN EN ISO 22476-1:2013 (Drucksondierungen, CPT), DIN 18123:2011-04 (Korngrößenverteilung), NCEER Workshop (Youd & Idriss, 2001)

Fragen und Antworten

Welche geologischen Einheiten in Gelsenkirchen sind besonders verflüssigungsgefährdet?

Die quartären Niederterrassensande und die jungen Flusssedimente der Emscher sind in Gelsenkirchen die kritischsten Horizonte. Diese Sande weisen oft eine locker gelagerte Struktur mit SPT-Schlagzahlen unter 10 auf und liegen im Grundwasser. Die anthropogenen Auffüllungen in den ehemaligen Bergsenkungsgebieten sind ebenfalls kritisch, da sie häufig aus unsortiertem, lockerem Material bestehen. Der Emschermergel als Festgestein ist dagegen nicht verflüssigungsgefährdet, kann aber als dichtende Schicht den Porenwasserüberdruck in darüberliegenden Sanden einschließen.

Ab welcher Erdbebenstärke wird eine Bodenverflüssigungsanalyse in Gelsenkirchen relevant?

Die DIN EN 1998-5 fordert eine Überprüfung des Verflüssigungspotenzials, wenn die seismische Bemessungssituation maßgebend wird. Obwohl Gelsenkirchen in der Erdbebenzone 1 mit relativ geringer Seismizität liegt, können weiche Böden zu lokalen Verstärkungseffekten führen. Bereits ab einer Magnitude von 4,5 ist eine Verflüssigung lockerer Sande möglich. Die Analyse ist daher für Bauwerke der Bedeutungskategorie III und IV sowie für Anlagen mit hohem Schadenspotenzial verpflichtend.

Was kostet eine Bodenverflüssigungsanalyse in Gelsenkirchen?

Die Kosten liegen in Gelsenkirchen typischerweise zwischen €2.410 und €4.040, abhängig vom erforderlichen Sondieraufwand und der Anzahl der zu untersuchenden Schichten. Der Preis umfasst die Feldkampagne mit SPT- oder CPT-Sondierungen, die Laboranalyse der Korngrößenverteilung sowie den rechnerischen Nachweis nach DIN EN 1998-5 und NCEER. Zusätzliche Baugrundaufschlüsse oder spezielle Laborversuche, wie zyklische Triaxialversuche, erhöhen den Aufwand.

Welche Maßnahmen leiten sich aus einer positiven Verflüssigungsprognose ab?

Wird ein Verflüssigungspotenzial festgestellt, stehen verschiedene bautechnische Maßnahmen zur Auswahl: Tiefgründung mit Pfählen, die in den tragfähigen Emschermergel einbinden, eine Bodenverbesserung durch Rütteldruckverdichtung oder der Austausch des verflüssigungsgefährdeten Materials gegen verdichtungsfähigen Kies. Bei geringem Risiko kann auch eine Überwachung des Porenwasserdrucks während der Bauphase ausreichen. Die Wahl der Maßnahme hängt vom LPI-Wert und der Bauwerksempfindlichkeit ab.

Standort und Servicegebiet

Wir betreuen Projekte in Gelsenkirchen und seinem Großraum.

Größere Karte ansehen